BioökonomieRevier-Sofortprogramm: Innovationslabore PlastiQuant & ProtLab

23.01.2020
  Bescheidübergabe Biooekonomie REVIER Urheberrecht: © Forschungszentrum Jülich / Ralf-Uwe Limbach v.l.n.r.: Prof. W. Marquardt (Vorstandsvorsitzender FZ Jülich), Prof. U. Schurr (FZ Jülich), Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel MdB, Prof. U. Schwaneberg (RWTH Aachen), Dr. G. Schaumann (Sense up) und Prof. V. Sander (FH Aachen).

„Vom Braunkohle- zum BioökonomieREVIER“: Diesem Leitgedanken folgt das Forschungszentrum Jülich mit Partnern aus der Region, in einer gemeinsamen Initiative. Im Rahmen des Strukturwandels soll das Rheinische Revier zu einer Modellregion für ressourceneffizientes und nachhaltiges Wirtschaften werden. Zum Auftakt eines zweiten Teilprojekts im BioökonomieREVIER kamen Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft in Merzenich zusammen. Das Ziel: Insgesamt 15 „Innovationslabore“ sollen an der Schnittstelle zwischen (Land)Wirtschaft und Wissenschaft aufgebaut werden und den schnellen Transfer neuer Verfahren von der Wissenschaft in die Wirtschaft ermöglichen. So entstehen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen schneller neue Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze – basierend auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit. Die Bundesregierung fördert das Projekt BioökonomieREVIER im Rahmen des Sofortprogramms für den Strukturwandel bis Mitte 2021 mit rund 25 Millionen Euro.

In dem Projekt entwerfen Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam Konzepte für den Wandel einer ganzen Region: von einer bisher stark von der Nutzung fossiler Rohstoffe geprägten Region zu einer Modellregion für nachhaltiges Wirtschaften auf Basis einer modernen Bioökonomie. „Mit der Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung wollen wir die Bioökonomie in die Anwendung bringen und so zu neuen Produkten, neuen Produktionsverfahren und neuen Arbeitsplätzen kommen. Das Rheinische Revier bietet dafür beste Voraussetzungen und wird einer der Eckpfeiler sein, um die jüngst beschlossene, neue Bioökonomiestrategie der Bundesregierung mit Leben zu füllen. „Das unterstützt auch den Strukturwandel“, betont Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel MdB die Bedeutung des Projektes über die Region hinaus. Im ersten Teilprojekt von BioökonomieREVIER Rheinland wird eine Regionalstrategie ausgearbeitet. Parallel dazu entstehen aber jetzt schon die darin geplanten Innovationslabore und -plattformen an den Schnittstellen von Wissenschaft, Wirtschaft und Landwirtschaft. Sie sollen dabei helfen, die Regionalstrategie mit Fokus auf Arbeitsplätze und Innovation schnell umzusetzen. Dazu bündeln Wissenschaftseinrichtungen (Forschungszentrum Jülich, Fraunhofer Gesellschaft, RWTH und FH Aachen) und Unternehmen (SenseUP Biotechnology GmbH und YNCORIS GmbH & Co. KG) der Region ihre Expertisen, um aussichtsreiche Technologien, Verfahren und Dienstleistungen der Bioökonomie strukturwirksam und beispielhaft in der Region umzusetzen. Am 21. Januar 2020 erfolgte nun der Startschuss für das 2. Teilprojekt mit konkreten Pilotprojekten, den sogenannten „15 Innovationslaboren“. Im Konsortium „Innovationslabore“ engagieren sich in vom Umfang her einzigartiger Art die verschiedensten Forschungseinrichtungen der Region sowohl aus der angewandten Forschung und der Grundlagenforschung sowie weitere Unternehmen. Die RWTH Aachen koordiniert insgesamt 5 Innovationslabore University (Hauptkoordinator der RWTH: Prof. Andreas Jupke, FVT, RWTH Aachen): DeMoBio_Box, E_HyBio, UpRePP, PlastiQuant und ProtLab. Davon werden die ersten drei Innovationslabore von der Aachener Verfahrenstechnik koordiniert. Der Lehrstuhl für Biotechnologie koordiniert die Innovationslabore PlastiQuant und ProtLab.

Das Thema des Innovationslabors PlastiQuant ist das (Mikro-)Plastik-Management für eine zirkuläre Bioökonomie und mikroplastikfreie Lebensmittel. In diesem Innovationslabor entwickeln der Lehrstuhl für Biotechnologie (Prof. Ulrich Schwanberg; Koordinator von PlastiQuant Lab) und der Lehrstuhl für Fluidverfahrenstechnik (Prof. Andreas Jupke) zusammen eine Infrastruktur zur Quantifizierung, für das Recycling und zur Valorisierung von Mikro-und Nanoplastikpartikeln. Hierbei wird eine Infrastruktur zur hochdurchsatzfähigen Quantifizierung von Mikro/Nanoplastikpartikeln (z. B. in Trinkwasser oder Umweltwasserproben) aufgebaut, eine Stammsammlung von adhäsionsvermittelnden polymer-abbauenden Enzymen (bis zu 100 Konstrukte) für die effiziente Plastikdegradation etabliert und Plastik-Recyclingprozessen (z. B. Prozesskonzepte für den Abbau von Mischplastik) entwickelt. Bis 2021 wird ein Zertifizierungslabor für „mikroplastikfreie“ Lebensmittel aufgebaut.

Bei ProtLab (Prof. Ulrich Schwanberg; Koordinator von ProtLab) handelt es sich um ein Innovationslabor für maßgeschneiderte Proteinprodukte und –systeme für die Pflanzengesundheit und digitale Landwirtschaft. Dieses Innovationslabors soll den Forschungsbedarfe für Adhäsionsvermittler, zur erfolgreichen Reduktion von Pestiziden durch maßgeschneiderte Proteinsysteme, in der Pflanzengesundheit und digitalen Landwirtschaft bedienen. Im Zuge dessen werden neue, vollständig bioabbaubare Lösungen für eine pestizidarme Landwirtschaft entwickelt. Des Weiteren soll durch einen schnellen Technologietransfer die Nutzung des Innovations- und Arbeitsplatzpotentials, der im Rahmen von BioSC entwickelten Plattformen BiFuProts und greenRelease, ermöglicht werden. Parallel wird Translationsforschung in der hochdurchsatzfähigen biophysikalischen Charakterisierung sowie Skalierung und Formulierung für die Feldversuche und die zugehörigen Monitoringverfahren betrieben. Bis 2021 ist eine Unternehmensgründung „AachenGreenBiotec“ sowie Beginn von Zulassungsanträgen in der Region geplant.